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Januar 2020
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6. Jura-Rallye vom 15. 06. 1996 bis 16. 06. 1996

JURA-RALLYE - MEHR ALS PURER FAHRSPASS von Thomas Steger, Kriens Am 15./16. Juni dieses Jahres fand die 6. Jura-Rallye statt. Organisiert wurde sie wie-derum vom Africa Twin Club Schweiz (ATC), welcher 1988, dem ersten Bau-jahr der Honda Africa Twin also, gegründet wurde und heute über 80 aktive Mit-glieder zählt. Die Jura-Rallye bietet nicht nur puren Fahrspass, Spannung und Kollegialität, sondern garantiert: you're gonna have a lot of fun! Hier mein Erlebnisbericht. Es ist Samstag, viertel vor acht. Ich bin wieder einmal zu spät dran. Eigentlich wollte ich vor einer Viertelstunde abfahren. Typisch! Im Privatleben komme ich immer fünf Minuten zu spät, was mich jedesmal ärgert. Die gute Laune kehrt jedoch rasch zurück. Denn ich sitze auf meinem Afrikaner, fahre auf der Autobahn Richtung Bern und mir fällt der folgende Satz ein, welchen ich mit meiner phylosophischen Ader selber kreiert habe: you're never alone when you ride a Twin! Mein Ziel ist der Zeltplatz von Colombier, wo ich mich mit meinen KollegenInnen vom ATC treffe und welcher Start und Ziel der diesjährigen Jura-Rallye bildet. Ich freue mich auf diese für mich neue Erfahrung und bin gespannt, wie dieses Happening abläuft. Autobahn fahren ist langweilig. Ich bringe es deshalb möglichst rasch hinter mich: Einen Gang tiefer schalten, Blinker links stellen und ausscheren. Um 9.15 Uhr erreiche ich den Zeltplatz und bin erstaunt über die Vielzahl der anwesenden Perso-nen und Maschinen. Laufend treffen weitere, mit Zelten beladene Motorräder ein. Ich entsteige meiner Twin und begrüsse zuerst diejenigen, die ich kenne. "Hey, Bruno, wer sind all diese Leute?" frage ich unseren Präsidenten. Er antwortet in gewohnt schlagfertiger Manier: "Töff-Fahrer! Hier muss irgendwo ein Nest sein...". Einige Gesichter sehe ich zum ersten Mal, denn der ATC hat dieses Jahr den Triumph Tiger Club, den Ténéré Owner's Club und den Cagiva Elefant Club als Gäste ein-gela-den. Erste Bekanntschaften sind schnell geschlossen und mein kleines Problem (ich bin ohne Zelt angereist) ist im Nu gelöst. Andi Kasseroler - ein ATC-Mitglied - erklärt sich sofort einver-standen, mit mir heute Nacht seine bescheidene Behausung zu teilen. Er wird später auch zu mei-nem Rallye-Partner. Um zirka zehn Uhr hat das Zeltdorf sein endgültiges Ausmass angenommen. Nachdem Bruno Jü-strich, Präsident des ATC, die offizielle Begrüssung hinter sich gebracht und die Rallye-Bedin-gun-gen bekannt gegeben hat, erklärt er die 6. Jura-Rallye für eröffnet. Die Aufgabenstellung sieht wie folgt aus: Alle sechs auf zwei Landkarten eingezeichneten Posten sind auf dem kürzesten Weg anzufahren. Die dafür aufge-wendeten Fahr-Kilometer fallen bei der Bewertung stark ins Gewicht. Zudem gilt es, an den einzel-nen Posten möglichst viele Punkte zu sammeln. Gestartet wird in Zweier- und Dreiergruppen. Die Zeit spielt dabei keine Rolle. Raser kommen also an der Jura-Rallye nicht auf ihre Kosten. Gefragt sind vielmehr Fahrkönnen, Ge-schicklichkeit und nicht zuletzt etwas Glück. Zusammen mit meinem Rallye-Partner schnappe ich mir das Kartenmaterial. Wir verschaffen uns zunächst die Übersicht und machen uns daran, den kürzesten Weg zum ersten Posten auszusuchen. Da der Start individuell erfolgen kann, häulen laufend Motoren auf und die Teams brausen davon. Kurze Zeit später lassen auch wir das Startband hinter uns. Das Abenteuer beginnt. Nach einer halben Stunde können wir einen ersten kleinen Sieg feiern: Mühelos haben wir Posten 1 gefunden. Was jetzt kommt, kann aber wie folgt umschrieben werden: Geben sich und haben Mühe. Ein Bogen mit Allgemein-Fragen zeigt gnadenlos unsere Bildungslücken auf. Die Themen sind vielfältig und reichen vom Sport über Naturwissenschaft bis hin zum Sexualverhalten von Tieren. Daniel braucht noch schnell eine Zigarrette (zum Wiederaufbau des angeschlagenen Selbstwertge-fühls) und dann beschäftigen wir uns wieder mit etwas, das wir besser beherrschen als Fragen be-antworten: Motorrad-Fahren. Schon bald verlassen wir die Hauptverbindungsachsen und fahren über Naturstrassen durch ange-nehm kühle Wälder und entlang von saftig grünen Wiesen. So finden wir die Posten 2 und 3 auf mehr oder we-niger direktem Weg. Einmal gilt es, von einem genialen Aussichtspunkt her die un-terschiedlichsten Distanzen zu schätzen und das andere Mal Hufeisen zu werfen. Beim ersteren ei-nigen wir uns je-weils nach zähem Ringen (ich schätze immer sehr wenig - mein Partener immer sehr viel) auf einen Mittelwert, beim letzteren zeigt das Messband unbestechlich die Distanzen von den Eisen zum Pfahl. Nach dem Absolvieren der Hälfte der Aufgaben gönnen wir uns eine Mittagsrast. In einem kleinen Dorf setzen wir uns in eine Gartenwirtschaft und fröhnen unseren Gaumenfreuden. Das gibt uns Gelegenheit, die hügelige Landschaft zu bewundern, die Aussicht auf Wälder und Wiesen zu ge-niessen, zum strahlend blauen Himmel aufzuschauen und zu sagen: Ist das Leben nicht schön?! Trotz unseren bescheidenen Französisch-Kenntnissen können wir das Restaurant gesättigt wieder verlassen. Die Rallye geht weiter. Der vierte Posten hat es dann in sich. Wahrscheinlich konzentriert sich unser Handeln noch etwas zu sehr auf das Verdauen anstatt auf die Landkarte und so kommt, was früher oder später einfach kommen muss: Wir erwischen eine Abzweigung früher als notwendig und "umfahren" die Ziel-Ko-ordinaten. Nicht nur dass wir auf diesem Umweg fünf Kuhgatter auf- und zusperren müssen, son-dern auch acht unnötige Kilometer auf unser Konto buchen. Als wir schliesslich auf den Strecken-posten stossen, redet es aus dem Helm neben mir: "Oh nein, jetzt konnten wir uns weiss Gott schon genug körperlich betätigen beim ewigen Auf und Ab beim Öffnen und Schliessen der Kuhgatter und jetzt das noch!" Andi hat das seilhüpfende Team, welches unmittelbar vor uns gestartet ist, zuerst entdeckt. Nach dem Motto "eine sorgfältige Saat ist die halbe Ernte" bereiten wir uns psychisch und physisch auf diese Aufgabe vor. Andi schwingt das an einen Holzpfahl geknüpfte Seil und ich springe darüber - aber leider nicht sehr oft. Naja, Spass macht es mir sowieso und die Vorwürfe meines Partners sind neckisch gemeint. Wir verlassen unsere Konkurrenten und kurven über einen staubigen Schotterweg davon. Posten 5 währe eigentlich schnell erzählt, hätten unsere Soft-Enduros nicht ein so grosses Eigen-gewicht. Mit 200 bis 240 Kilogramm Trockengewicht ist es eben manchmal im Gelände nicht ganz leicht, gegen die Schwerkraft anzukämpfen und auf den für den Bodenkontakt vorgesehenen zwei Rädern zu bleiben. Der Geschicklichkeits-Parcours, den es zu meistern gilt, führt zwischen Bäumen hindurch über Schlamm und am Waldboden liegendes Geäst. Wir erfahren, dass hier bereits zwei Off-Road-Fahrer ihr fahrendes Unterteil in die Horizontale gelegt haben. Dadurch ist für mich klar, wer von unserem Team sein Glück versuchen wird. Einfach sicher nicht ich! Alle an diesem Posten ste-henden Gleichgesinnten freuen sich mit mir auf die Fahrt von Andi Kasseroler - oder vielmehr auf einen dritten Sturz. Doch er schneidet uns schadenfreudigen Sensationslustigen ein Schnippchen und durchfährt den Parcours ohne einmal mit dem Fuss die Erdoberfläche zu berühren. Sensatio-nell! Voll motiviert erreichen wir den letzten Rallye-Posten. Hier gilt es als krönender Abschluss, je eine Birne des Rücklichtes und eines Blinkers innert wenigen Sekunden auszubauen. Erlaubte Werk-zeuge sind dabei nur diejenigen, die sich auf dem vorher bestimmten Motorrad befinden. Achtung, fertig, los! Der Einsatz stimmt, der Schraubenzieher passt, die Birnchen sind draussen. Mit der Lö-sung dieser Problemstellung haben wir all unsere Punkte gesammelt und können jetzt entspannt den Rückweg zum Zeltplatz antreten. Um 18 Uhr passiert das letzte der insgesamt zwölf Teams die Ziellinie. Währenddem sich das Or-ganisations-Kommitee mit der Auswertung der Team-Punkte beschäftigt und die Siegerehrung vor-bereitet, diskutieren wir engagiert vom Erlebten. Alle sind hell begeistert und weder der kaputte Blinker noch der zwischenzeitlich luftleere Schlauch (ich will an dieser Stelle keine Motorrad- oder Personennamen nennen) können die gute Stimmung dämpfen. Obwohl es bei dieser Veranstaltung weder um Zeit noch um Sieg geht, sind wir alle gespannt, wer das beste Resultat erzielt hat. Endlich setzt Bruno dem Warten dann ein Ende und gibt die Gewinner-Teams bekannt: 1. Africa Twin Club: Reto Meisser, David Schenk (Titelverteidiger) und Michael Isler 2. Ténéré Owner's Club: Andi Keusch und Urs Steinmann 3. Africa Twin Club: Hansueli Zahnd und Peter Roth Unter Applaus und witzigen Zwischenrufen nehmen die Erstklassierten Pokale und Champagner-Flaschen entgegen. Übrigens, Andi und meine Wenigkeit erreichen den normalerweise etwas undankbaren vierten Platz. Wir aber gratulieren einander zu diesem unerwartet guten Ergebnis. Freude herrscht! Wir können hier zwar von Siegern sprechen, Verlierer gibt es allerdings keine. Denn alle, die an dieser tollen Veranstaltung teilnehmen sind absolute Gewinner! Darüber sind wir uns alle einig. In der Abenddämmerung entfachen wir Feuer, braten unsere Würste, Steaks und andere Köstlich-kei-ten, trinken Wein und Bier und geniessen die Lagerromantik bis in die frühen Morgenstunden. So man-cher träumt in dieser Nacht von der fantastischen Jura-Rallye 1996. Auf jeden Fall will ich das nächste Mal wieder dabei sein und streiche mir das Datum im 97er Kalender so bald wie mög-lich mit dicker roten Farbe an. Nach dem gemeinsamen Katerfrühstück am nächsten Morgen verabschieden wir uns voneinander. Die Motorräder verschwinden in alle Himmelsrichtungen und ich mache mich alleine auf den Heimweg. Während ich auf der Autobahneinfahrt am Gasgriff drehe, muss ich wieder schmun-zeln: was heisst hier alleine? You're never alone when you ride a Twin!



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