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8. Jura-Rallye vom 11. 07. 1998 bis 12. 07. 1998

Es ist kaum zu glauben, aber in der heutigen modernen Welt, wo das Internet bereits ein Furz von gestern ist, und der Mensch seinen (technischen) Fuss auf den Mars gesetzt hat, gibt es noch Leute welche noch nie an der Jura-Rallye teilgenommen haben! Diese ungeheuerliche Tatsache sollte eigentlich im höchsten Masse Bestraft werden (langsam wird mir klar, warum gerade ich den Bericht schreibe). Mein Vorschlag wäre Verbannung in die Antarktis oder noch viel schlimmer, 1 Stunde zwangsfahren mit einer Super-Ténére und anschliessendem aufziehen eines Michelin-Deserts (ist das nicht der Pneu der nicht so recht zwischen die Schwinge passt?). Item - Um diese Lücke zu schliessen habe ich mich (und Dani/Isabelle) dazu entschlossen an der diesjährigen Jura-Rallye möglichst unauffällig (siehe später im Text) teilzunehmen.
Doch schon zu Beginn der Anfahrt hat uns unser Heimatkanton Aargau klargemacht, warum im Kantonswappen dermassen viel Wasser zu sehen ist. Denn dieses kam wie aus Kübeln geleert hauptsächlich vom Himmel. Und dies obwohl der Kachelfrosch "Im Westen vorherrschend schön Wetter" prophezeit hatte (liegt der Aargau nicht im Westen?). Als wir uns dann einige Regenkilometer weiter in der Raststätte Grauholz eine Erfrischung gönnten, konnten wir auch unsere Regenklamotten wieder im Tankrucksack verschwinden lassen. Nun galt es aber den Vergasern Nahrung zu geben und Colombier anzusteuern, denn wir waren nicht mehr im Zeitplan und wollten trotzdem pünktlich erscheinen. Interessanterweise trafen wir auf der ganzen Anfahrt keine einzige Twin (hatten wir uns im Termin geirrt?, war der Anlass abgesagt worden?) - lediglich zwei Tiger-Piloten zogen mit ihren 6 Zylindern an uns vorbei (waren die schon bei der Tankstelle?). Problemlos fanden wir dann den Zeltplatz, mit dem Club hatten wir da ein bisschen mehr Mühe. Uns musste doch tatsächlich ein Junge von der Reception den Weg durch den grossen Platz vorausfahren. Beim Begrüssen von vielen bekannten und einigen unbekannten Gesichtern konnten wir dann erfahren, dass wir keineswegs die Letzten waren.
Nach aufstellen von Zelt und verstauen des Gepäcks gings dann kurz nach 11Uhr, bewaffnet mit Postenblatt und Karte, an den Start. Mit gewecktem Wettkampfgeist fetzten wir nun dem 1. Posten entgegen (wir glaubten es zumindest) und landeten prompt in einer Sackgasse. Immerhin waren wir nicht die einzigen, welche hinter dieser Strecke eine tolle Abkürzung vermuteten. Nach diesem kleinen Abstecher liefs dann eigentlich ganz gut (mal abgesehen vom Waldstrassen-Labyrinth) und wir standen nach kurzer Zeit am angepeilten Posten. Da war Gleichmässigkeitsfahren (was für ein Wort!) gegen seinen Team-Partner gefragt. Die eigentliche Knacknuss lag dann nicht etwa im Abfahren der vorgeschriebenen Strecke mit möglichst wenig Differenz zum Partner, sondern im Abbremsen der beschleunigten Fuhre (auf 2 Rädern stehend) am Steilhang! Für gewisse Teilnehmer wurde der Parcours noch erschwert indem man sie in Paris-Dakar-Tempo den Hang hinunter schickte und den Zielraum mit Afrika-Twins und glotzenden Zuschauern versperrte. Dass diese Hürden unterschiedlich elegant genommen wurden versteht sich aufgrund des angehobenen Schwierigkeitsgrades von selbst.
Vor grossen Herausforderungen schreckt eigentlich kein AT-Fahrer zurück und so war es eigentlich logisch, dass die meisten (inkl. Transalp) den von Problemen lechzende Waldarbeiterpfad dem langweiligen Schotterweg vorzogen, um Richtung Posten 2 zu gelangen. An diesem Posten erwartete uns dann eine kleine Erfrischung in Gestalt eines László-Pepsi-Testes (oder Chrige-Coca-Cola-Test?). Weil wir natürlich alles gestandene Coke-Profis waren, stürzten wir uns voller Elan auf die numerierten Pappbecher. Nach den ersten beiden Bechern waren wir noch absolut Siegessicher, aber als wir die letzten der 5 Möglichkeiten hinuntergegurgelt hatten, wollte jeder eine andere Marke herausgeschmeckt haben. Wir diskutierten aber nicht lange und trugen die Lösungen "à la Multiple-choice" aufs Postenblatt ein.
Auf dem Weg zum Mittagstreffpunkt lernten wir dann das berühmte Jura-Spiel "Achtung Kuhgatter - absteigen - Gatter öffnen - 1.Töff durchlassen - aufsitzen - durchfahren - absteigen - Gatter schliessen - aufsitzen – weiterfahren" näher kennen. Nach dieser Game-Einlage hatten wir so richtig Kohldampf und freuten uns riesig aufs bevorstehende Mittagessen. Das dieses aber dermassen lange auf sich warten liess, warf bei der gegenwärtigen Restaurant-Belegung doch ein paar Fragen auf (waren der Grund dafür die aufwendigen Röschtis oder doch eher die Gaus‘sche Verteilkurve?).
Ganz ohne Warterei und voll gestärkt nahmen wir dann die Piste zum Posten 3 unter die Gatter - äh ... Räder. Überwältigt von der Schönheit der landschaftlichen Reize verpassten wir auf Anhieb den gewünschten Abzweiger und folgten weiter dem idyllischen Lauf eines Bächleins ins Tal hinunter. Damit waren zwar keine Kilometer wettzumachen, aber zu Posten 3 führte es uns trotzdem. Diesen konnte man dann gar nicht mehr verfehlen, so viele Africas (und Tigers, DR‘s, Löwen, Giraffen, Antilopen...) waren da in einem Pulk versammelt. Der Grund dafür waren die längeren Wartezeiten (schon wieder?) auf ein Musterblatt auf welchem man Marken-Embleme erkennen musste. Das Wetter zeigte sich inzwischen von seiner besten Seite und die kleine Pause wurde zur gemütlichen Talk-Runde im Grünen.
Wir starteten unsere 2-Zylinder-Bomber wieder und konzentrierten uns auf einen dünnen schwarzen Verbindungsweg. Dieser zeigte sich aber lediglich auf der Karte, in natura wollte er sich partout nicht offenbaren. Also hiess es die Sache mal ganz ruhig anzugehen, den Helm abzulegen, den Duft der Natur (Bauernhof) einzuatmen und den Pferden auf den Weiden zuzuschauen. Und siehe da, der gesuchte Pfad lag unscheinbar vor unserer Nase und führte über eine Wiese in einen Wald hinein. Um die Befahrbarkeit und den weiteren Verlauf zu prüfen, erkundeten Dani und ich die Lage zu Fuss. Trotz anfänglicher Bedenken fassten wir aber Mut und beschlossen die steile Abfahrt in Angriff zu nehmen. Mit unseren LC4‘s hätten wir keinen Moment gezögert, aber mit 230 kg ist man halt nicht mehr ganz so ungehemmt! Zurück bei den Twins nahte aber bereits die Konkurrenz in Gestalt vom "Wilden Waldi" und Gefolge. Weil wir aber unsere Entdeckung nicht so ohne weiteres preisgeben wollten, setzten wir ratlose Gesichter auf und suchten etwas ganz Wichtiges auf der Karte. Unsere Gegner kümmerte derlei Machenschaften nicht im geringsten und steuerten zu aller Frechheit den genannten Pfad ohne Umwege an. Nun gab es nichts mehr zu verbergen und wir hefteten uns an ihre Fersen bis zum Posten 4.
All jene welche ihre Kindheit auf einem Kirschbaum verbracht haben, konnten hier auf ihren unschätzbaren Trainingsvorsprung zurückgreifen. Wertvolle Punkte verbuchten nämlich diejenigen, welche beim Kirschsteinspucken die weitesten Distanzen erreichten. Nach diesem kleinen Dessert-Intermezzo waren dann zum letzten Mal die Orientierungsfähigkeiten gefordert. Langsam schien jedoch die aufkommende Routine erste Früchte zu tragen und wir fuhren den 5. und letzten Posten auf direktestem Wege an. Dort angekommen wurde uns aber alles abverlangt, denn die Aufgabe bestand darin, Pflastersteine möglichst ins Zentrum mehrerer ineinanderliegender Quadrate (hatten die Organisatoren die Spielregeln des Mühle-Spiels falsch verstanden?) zu werfen. Dass damit aber (fast) keine Punkte zu holen waren glaubten wir erst, als alle Steine weit verstreut lagen und nur eine Handvoll Punkte auf dem Papier geschrieben standen. Wir sahen ein, dass es jetzt nur noch an einer fehlerlosen Rückfahrt auf den Campingplatz lag und vergeudeten somit keine Zeit mehr.
Dies gelang uns perfekt und wir nahmen am Ziel voller Stolz unser Finisher (oder Finnisher?)-T-Shirt entgegen. Danach hatten wir dann kurz Zeit um die Shorts zu montieren und mit dem Zeltnachbarn einen kleinen Schwatz zu führen. Gleich anschliessend wurde dann die Neugierde der versammelten Rallye-Teilnehmer beim Rangverlesen gestillt. Überraschungen gab es da aber keine allzugrossen, ausser dass ein Tiger-Team eine Top-Plazierung erkämpft hatte und wir Überhaupt nicht erwähnt wurden. - Hatten wir wirklich so ein mieses Resultat erreicht, dass wir gar nicht in die Rangliste kamen oder waren wir tatsächlich so unauffällig (siehe Textanfang) unterwegs, dass uns niemand bemerkt hatte? - Werni konnte uns aber von dieser Ungewissheit befreien, denn unser Postenblatt versteckte sich richtig ungebührend hinter einem anderen.
In Windeseile wurde dann auf der angrenzenden Baustelle eine Feuerstelle inklusive Sitzgelegnheit für den ganzen Club hingezaubert. Somit war dann die Grundlage für einen gemütlichen, unterhaltsamen Abend gelegt und es wurde eifrig gegessen, getrunken und Benzin geredet, bis tief in die Nacht (Morgen) hinein. Nachdem am nächsten Morgen auch die letzten Lebensgeister geweckt waren, verabschiedeten sich bereits die ersten wieder und der Rest konnte sich auf eine phantastische von Werni improvisierte Ausfahrt freuen.
Fazit für uns: Absolut toller Anlass, den man auf keinen Fall verpassen sollte - Wir werden nächstes Jahr sicher auch wieder dabei sein!
Peter Perini



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